Das Arbeitsumfeld

Neben der ergonomischen Gestaltung eines Produkts oder Arbeitsablaufs gibt es auch im Arbeitsumfeld mehrere Faktoren, die Ihre Gesundheit am Arbeitsplatz beeinflussen. Diese Faktoren sind teilweise subjektiver Art (der persönliche Wohlfühlbereich), es gibt aber auch einige grundlegende Faktoren, die bei die Gestaltung einer optimalen Arbeitsatmosphäre berücksichtigt werden sollten.

Beleuchtung

Warum ist die Beleuchtung wichtig?

Die Beleuchtung wirkt sich unmittelbar auf die Augen und mittelbar auf die Konzentration aus. Ist die Beleuchtung zu schwach, führt dies zu einer Überanstrengung der Augenmuskulatur (durch ständiges Fokussieren) und damit zu schneller Ermüdung. Wenn Sie schon mal ein Buch bei dämmriger Beleuchtung gelesen haben, kennen Sie diesen Effekt sicherlich. Dieses Problem tritt auch dann auf, wenn hochpräzise Arbeitsschritte wie Pipettieren durchgeführt werden müssen – und führt zu einem höheren Fehlerrisiko durch vertauschte Proben oder falsche Volumeneinstellungen. Eine zu helle Beleuchtung hat ähnliche Auswirkungen.

 

Beleuchtungsstärke

Die Intensität von Licht ist messbar. Mit der Beleuchtungsstärke wird angegeben, welcher Lichtstrom auf eine Flächeneinheit fällt. Der Lichtstrom wird pro Flächeneinheit gemessen.
Die Beleuchtungsstärke wird in lux [lx] gemessen. Alternativ kann auch in "Lumen pro Quadratmeter" [lm] gerechnet werden.
In einigen Ländern wird auch eine nicht-metrische Einheit für die Messung der Beleuchtungsstärke verwendet, die Fuß-Kerze [fc].

 

Lichtfarbe

Die Lichtfarbe wird in Kelvin gemessen. Gemäß EN 12464-1 können drei Bereiche unterschieden werden:

  • Warmweißes Licht:   unter 3.300 K
  • Neutralweißes Licht: 3.300 bis 5.300 K
  • Tageslichtweißes Licht: mehr als 5.300 K

 

Art der Lichtquellen

Normale Glühlampe, Neonleuchte oder LED?

 

Lichtstärke am Arbeitsplatz

In EN 12464-1 sind einige Informationen zur Lichtstärke an normalen Arbeitsplätzen enthalten.
An Büroarbeitsplätzen sollte die Lichtstärke mindestens 500-1.000 Lux betragen.
Technische Zeichnungen sollte bei mindestens 750 lux erstellt werden.
Für Laborarbeitsplätze gibt es derzeit noch keine offiziellen Empfehlungen, aber als Ausgangswert sollten hier auch 750 lux gewählt werden.
Für Arbeitsschritte, die Hochpräzision erfordern, ist eine stärkere Beleuchtung wichtig (wie Ärzte sie im OP benötigen!)
Wird mit elektronischen Geräten wie Zentrifugen oder Pipetten gearbeitet, muss die Helligkeit des Displays angepasst werden. Ein zu hell eingestellter Display kann in einem dämmrigen Raum die Augen irritieren.

 

Natürliches Tageslicht

Vergessen Sie nicht: Das beste Licht kommt von draußen!
Das einzigartige Spektrum des Tageslichts steuert die physiologischen Prozesse und den Biorhythmus des Menschen.
Deshalb sollte ein optimales Labor große Fenster mit Jalousien gegen direkte Sonneneinstrahlung haben.

Lärmpegel

Der Lärmpegel ist ein sehr komplexes Thema und wirkt sich auf unterschiedlichste Weise auf Ihr persönliches Wohlbefinden aus.

Lärm wirkt sich allgemein negativ auf die Konzentration aus und kann – wenn man ihm lange Zeit ausgesetzt ist - sogar zu Herz-Kreislauferkrankungen führen. Darum wird üblicherweise empfohlen, den Lärmpegel so niedrig wie möglich zu halten und so für ein belastungsarmes Arbeitsumfeld zu sorgen.
Neben dem absoluten Lärmpegel hat auch die Frequenz des Geräuschpegels subjektive Auswirkungen. Sehr hohe und sehr tiefe Frequenzen sind für Menschen besonders belastend.

Messung des Geräuschpegels

Der absolute Geräuschpegel wird in dB(A) gemessen.
Beachten Sie, dass sich ein Lärmanstieg von 10 dB(A) subjektiv wie eine Verdopplung des Geräuschpegels anfühlt.
Als Faustregel gilt, dass sich normales Sprechen mit einer Lautstärke von 40 dB (A) 8 mal lauter anfühlt als normales Atmen mit einer Lautstärke von 10 dB (A).

Geräuschpegel 10


dB (A) – normales Atem, Rascheln von Blättern

    20 dB (A) – Flüstern
    30 dB (A) – Summen eines Kühlschranks
    40 dB (A) – gedämpftes Sprechen; stört den Schlaf; stört das Lernen/die Konzentration
    50 dB (A) – normale Sprechlautstärke, normale Zimmerlautstärke, Geschirrspüler
    60 dB (A) – Stressgrenze / Toleranzgrenze, lautes Sprechen
    65 dB (A) – erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen
    70 dB (A) – Haushaltsgeräusche
    75 dB (A) – Geräusch einer Fahrradklingel
    80 dB (A) – lauter Straßenlärm, Staubsauger, schreiende Kinder
    85 dB (A) – Gehörschutz im Arbeitsumfeld vorgeschrieben, Föhn
    90 dB (A) – Hupe
    100 dB (A) – Kreissäge, Disco-Musik
    110 dB (A) – schnell und dicht vorbeifahrender Zug, Pop-Konzert
    130 dB (A) – Schmerzgrenze, Gehörschäden möglich, nahe vorbeifliegender Düsenjet
    160 dB (A) – Trommelfell kann platzen, Knall eines sich entfaltenden Airbags

Folgende Empfehlungen gibt es für die Büroarbeit:

Arbeit, für die eine hohe Konzentration erforderlich ist: Der durchschnittliche Geräuschpegel über den Tag sollte unter 35-40 dB (A) liegen
Arbeit, für die eine geringe Konzentration erforderlich ist: Der durchschnittliche Geräuschpegel über den Tag sollte unter 55 dB (A) liegen

Für die Arbeit im Labor liegen leider keine allgemein anerkannten, spezifischen Grenzwerte vor. Es ist aber ratsam, die für Büros vorgegebenen Grenzwerte als Anhaltspunkt zu wählen.

Belüftung

Einfluss der Luft

Die folgenden Faktoren beeinflussen unser Wohlbefinden:

  • Temperatur
  • Relative Luftfeuchte
  • Luftbewegung
  • Luftqualität


Für Büros liegen die folgenden Empfehlungen vor:

Temperatur: 21-22 °C und nicht mehr als 26 °C
Relative Luftfeuchte: 40-60 % Luftbewegung: 0,1-0,15 m/s sind bei 21 °C optimal
Luftqualität: Auf Gase, chemische Aerosole, Staub und CO2 achten

Zur Verbesserung der Luftqualität ist es ratsam, die Fenster täglich für 10 Minuten zu öffnen, sofern dies in Ihrem Labor zulässig ist.