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Alles zu unserer Zufriedenheit?

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Der Soziologe Martin Schröder hat erforscht, was uns zufrieden macht. Dazu nutzte er einen riesigen Datensatz, gesammelt in 34 Jahren. Fünf Erkenntnisse aus seiner Arbeit, die überraschen, erläutern und potenziell froh machen.

Was steigert unsere Zufriedenheit?

Am stärksten mit Zufriedenheit einher gehen Schlaf, gesunde Ernährung, Dankbarkeit und Beziehungen. Doch nicht alles davon können wir selbst beeinflussen. „Für Dankbarkeit kann man sich bewusst entscheiden“, erläutert Martin Schröder, „beim Schlafen klappt das kaum, wir wachen einfach auf.“ Erstaunlich fand der Soziologe, dass Kinder nicht wesentlich zufriedener machen. Eine Erklärung könnte sein: „Kinder an sich machen zufrieden, aber was man ohne sie alles tun kann, ebenfalls.“ Auch Geld sorgt nicht zwangsläufig für mehr Zufriedenheit – wenn man genug zum Leben hat. Die Grenze liegt bei etwa 2.000 Euro pro Monat. Bemerkenswert ist hingegen Arbeitslosigkeit – an ihr haben wir stark zu knabbern, Männer noch mehr als Frauen.


Warum gibt es Grenzen der Zufriedenheit?

Egal, ob wir etwas Negatives wie einen Autounfall oder etwas Positives wie eine Beförderung erleben: Der sogenannten Set-Point-Theorie zufolge pendelt sich unser Zufriedenheitslevel nach einer Weile wieder auf dem für uns genetisch typischen Niveau ein. Dieses Niveau liegt bei den meisten Menschen bei etwa sieben von zehn Punkten. Denn: Wären wir immer hochzufrieden, sähen wir laut Schröder keine Notwendigkeit, unser Leben auch nur im Geringsten zu ändern – und bekämen demnach etwa keine Kinder oder würden uns auf andere Art weiterentwickeln. Andersherum ist auch Unzufriedenheit wichtig: Sie ist ein Signal, dass wir etwas verändern müssen, bevor unser Befinden noch schlechter wird.

Womit sind Männer zufrieden?
Und Frauen?

„Die nackten Daten weisen in die Richtung: Menschen sind ziemlich zufrieden in dem, was wir als eher traditionelle Paarmuster bezeichnen würden“, sagt Martin Schröder. Frauen sind zum Beispiel unzufriedener, wenn sie mehr als ihr männlicher Partner verdienen oder ihr Partner die ganze Hausarbeit übernimmt. Und Väter sind umso zufriedener, je länger sie arbeiten – was in der Tat auch bei Müttern für eine höhere Zufriedenheit sorgt. Wie kann das sein, wenn alle von Gleichstellung reden und diese anstreben? Martin Schröder: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Daten die Vergangenheit abbilden. Daher rate ich zur Vorsicht, daraus Empfehlungen für politisches Handeln abzuleiten.“

Was sagen uns die Daten – und was nicht?

Grundlage für Martin Schröders Forschung sind die Daten des Sozio­oekonomischen Panels (SOEP), der größten und am längsten laufenden Langzeitstudie Deutschlands. Seit 1984 werden dafür dieselben rund 30.000 Menschen zu ihrer Zufriedenheit befragt. Der Datensatz zeigt also, was die Deutschen in den vergangenen 34 Jahren glücklich gemacht hat. Jedoch lässt sich daraus nicht unbedingt etwas ableiten. Denn was den Daten nach mit Zufriedenheit einhergeht, bedingt sie noch lange nicht. Laut Schröder sei es daher auch nicht ratsam, von der Datenlage sofort darauf zu schließen, was man selbst in seinem Leben ändern sollte, um zufriedener zu sein.

Wie kann man an der eigenen Zufriedenheit arbeiten?

Während Glück eher zufällig eintritt, ist Zufriedenheit gut zu evaluieren – dazu reicht ein kurzer Blick in uns selbst hinein. So können wir ermitteln, was uns stört und dann etwas dagegen tun. Das Streben nach Zufriedenheit ist laut Schröder also zweckdienlicher als das nach Glück. Wissen müssen wir dabei: Unsere Zufriedenheit ist zu einem Drittel an Dinge geknüpft, auf die wir keinen Einfluss haben, zu einem Drittel an langfristige Entwicklungen wie etwa die Karriere und zu einem Drittel an kurzfristige Dinge, wie mehr Sport zu treiben. Womit wir keinesfalls etwas falsch machen können, um zufriedener zu sein, sind zwei beeinflussbare Größen: dankbar sein und soziale Beziehungen aufbauen und pflegen.

BUCHTIPP

Wer tiefer einsteigen will: Seine Erkenntnisse hat Prof. Dr. Martin Schröder, der an der
Philipps-Universität Marburg lehrt, in einem Buch zusammengetragen.

Martin Schröder: „Wann sind wir wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld“, 288 Seiten, ca. 20 Euro, C. Bertelsmann Verlag