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Claudia Kessler, der deutschen Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik, blieb der Traum vom Flug zum Mond verwehrt. Heute leitet die 56-Jährige die private Stiftung „Die Astronautin“, die Frauen fit macht für eine der wichtigsten Branchen der Zukunft.

Frau Kessler, wann hatten Sie erstmals den Wunsch, ins All zu fliegen?
Claudia Kessler: Da war ich vier Jahre alt und hab die Mondlandung im Fernsehen gesehen. Nach diesem Ereignis war für mich klar, dass ich da auch hinwill. Der Wunsch, die Erde einmal von außen zu sehen, ist bis heute geblieben. Außerdem habe ich früh eine Vorliebe für Maschinen und Technik entwickelt. Mein Vater war Kfz-Mechaniker, und ich habe schon als Kind gerne in der Garage an Autos rumgeschraubt.

Nach vielen Jahren in der Industrie stecken Sie alle Energie in Ihre private Stiftung „Die Astronautin“. Welche Ziele verfolgen Sie?
Wir haben aus der Stiftung heraus ein Start-up gegründet. Denn die Raumfahrt kommerzialisiert sich stark, und hier entstehen viele Jobs, für die wir weibliche Fachkräfte rekrutieren und ausbilden. Unser größtes Ziel ist es, die erste Frau zum Mond zu fliegen. Wir wollen außerdem die Branche für die Bevölkerung öffnen. Es gibt immer noch einen großen Gap zwischen dem Elfenbeinturm „Raumfahrt“ und dem, was man mit privaten Reisen ins All selbst erleben kann.


Sie waren in den 80er-Jahren die einzige Frau im Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik. Gibt es denn heute überhaupt genügend weibliche Fachkräfte, die wollen?
Ja, der Frauenanteil in den relevanten Studiengängen steigt, aktuell beträgt er 20 Prozent. Das Interesse ist da. Das spüren wir auch auf unseren Veranstaltungen und an den Rückmeldungen, die wir erhalten.

Wie werden Frauen erfolgreicher in der Branche?
Im Bewerbungsprozess für „Die Astronautin“ sehen wir, dass viele Frauen anrufen und fragen, ob sie überhaupt gut genug für eine Bewerbung bei uns sind. Das ist ein klassisches Frauenthema, dass man sich vieles einfach nicht zutraut und immer wieder an sich selbst zweifelt. Es braucht viel Durchhaltevermögen, Resilienz, Mut, Ausdauer und Neugier, um wirklich so ein großes Ziel zu verfolgen. Um die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, arbeiten wir mit erfahrenen Trainerinnen zusammen und bringen Elemente der Raumfahrt mit klassischen Leadership-Trainings zusammen.

Und gibt es schon vielversprechende Anwärterinnen?
Wir haben ja mit Dr. Insa Thiele-Eich und Dr. Suzanna Randall zwei Astronautinnen ausgewählt und so ausgebildet, dass sie bereit für eine solche Mission wären. Aber wir müssen auch die deutsche Regierung überzeugen, die erste deutsche Frau mit Steuergeldern ins All zu schicken und dafür die Staatskosten von 50 Millionen Euro zu übernehmen. Ich schreibe viele Briefe. Unter anderem drei an Angela Merkel, von denen auch zwei beantwortet wurden. Im vergangenen Jahr war ich persönlich bei sieben Ministern vorstellig. Alle finden unsere Idee immer toll und sagen, dass man das unbedingt machen müsse. Aber es braucht eben auch die Freigabe des Budgets.

Ihr Kindheitstraum, ins All zu fliegen, blieb bislang unerfüllt. Warum hat es nie geklappt?
Bei mir war es tatsächlich so, dass ich immer zur falschen Zeit im falschen Alter war. Nach 30 Jahren Erfahrung in der Raumfahrtbranche sage ich: Wir brauchen wie in Amerika, Frankreich oder Italien eine Quote, sonst bewegt sich nichts. Ich wundere mich oft, was für Bemerkungen sich Frauen heute in Deutschland immer noch anhören müssen.

Welche Bemerkungen meinen Sie?
Da sind die klassischen Ausreden von Männern, wenn es darum ging, warum eine Frau nicht passt. Etwa: Wissen Sie, die ist noch nicht so weit. Oder: Die wird dann sowieso schwanger und ist dann weg. Auch höre ich oft: Wir würden ja gerne eine Frau einstellen, aber wir finden keine. Uns wird es außerdem übel genommen, wenn wir souverän auftreten und Forderungen stellen: Ich kann das. Oder: Ich will eine Gehaltserhöhung. Dann heißt es, man sei aggressiv und fordernd. Die Stereotype in den Köpfen der Menschen sitzen tief.

Es gab ja bis vor Kurzem nicht mal Anzüge für weibliche Raumfahrer. Wie wird die Branche profitieren, wenn Frauen mitentscheiden?
Wie in allen anderen Branchen wird es auch hier besser, je diverser wir auf Probleme blicken. Denn so ergeben sich mehr Sichtweisen und mehr Ansätze zur Problemlösung. Je diverser ich ein Problem betrachte, desto besser ist am Ende die Lösung.

Welche Trends bewegen die Branche in Zukunft?
Das Thema Vernetzung wird zunehmen. Die Kommunikation wird aus dem All noch schneller, weil der Datenaustausch besser funktioniert. Es werden gigantische Datenzentren entstehen, die auf neuen Technologien wie Blockchain funktionieren. In der Forschung geht es noch stärker darum, zu verstehen, wie das All funktioniert. Also wie Planeten oder Kometen entstanden sind oder welche Ressourcen, etwa beim Abbau von Asteroiden, sich nutzen lassen.

Und bei all den Visionen für das All: Was fasziniert Sie am meisten?
In diesem Jahr werden drei Sonden auf dem Mars landen. Ich hoffe, dass ich noch miterleben darf, wenn in 20, 30 oder 40 Jahren die ersten Frauen auf dem Mars landen werden.