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Bildhinweis: © iStock

50 Jahre Internet

Beyond Science

Von der ersten Nachricht bis zu rund vier Milliarden Internetnutzern weltweit war es ein weiter Weg. Ein Rückblick auf 50 Jahre Internet – und ein kleiner Ausblick.

Nur wenige Monate, nachdem die Astronauten Neil Arm­strong und Buzz Aldrin mit der „Apollo 11“ als erste Menschen auf dem Mond landeten, schickte der Student Charles S. Kline von der University of California in Los Angeles eine Nachricht mit dem Text „Login“ von einem Computer zu einem anderen am rund 500 Kilometer nördlich gelegenen Stanford Research Institute – die Geburtsstunde des Internets. „Wir wussten, dass wir eine wichtige neue Technologie entwickeln, von der wir erwarteten, dass sie für einen Teil der Bevölkerung von Nutzen sein würde. Aber wir hatten keine Ahnung, wie bedeutsam das Ereignis war“, erzählte später der Vorgesetzte von Kline, Leonard Kleinrock.
Zuvor war dieser Nachrichtenaustausch nämlich lediglich zwischen baugleichen Computern mit demselben Betriebssystem möglich. Durch das Netzwerk der Advanced Research Projects Agency (ARPANET), dem Vorläufer des Internets, konnten plötzlich alle Rechner – auch über große Entfernungen – miteinander verbunden werden. „Angefangen mit dieser kurzen Nachricht hat das Internet heute einen unvergleichlichen Siegeszug hinter sich“, erzählt Armin Grunwald, Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). „Auf dem Mond war seit 1972 kein Mensch mehr – das Internet nutzen hingegen rund vier Milliarden Menschen täglich.“


Ursprünglicher Forschungszweck


Die Erfolgsgeschichte des Internets verlief aber zunächst alles andere als linear. Denn von der ersten übermittelten Nachricht bis zum heutigen Internet mit den bekannten Browsern, Apps und Funktionen war es auch zeitlich ein weiter Weg. Das liegt mit daran, dass das Internet ursprünglich in erster Linie dazu dienen sollte, die Kommunikation zwischen Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt zu vereinfachen. Auch das amerikanische Verteidigungsministerium hatte in den ersten Jahrzehnten nach der Erfindung seine Finger im Spiel. Es erhoffte sich ein Netzwerk, das auch großflächigen Ausfällen nach feindlichen Angriffen standhalten kann. Doch die Wissenschaftler, die das Internet in den nächsten Jahren weiterentwickeln sollten, schafften es nicht, einen gravierenden Sicherheitsmangel zu beheben: Bis heute gibt es keine eingebauten Sicherheitsfunktionen im Protokoll. „Eigentlich wird erwartet, dass jeder jedem im Netz vertraut“, sagte Grant Blank vom britischen Oxford Internet Institute der Zeitschrift „New Scientist“.


Achtung: Internet


Doch das Vertrauen der Nutzer musste in den folgenden Jahrzehnten leiden. Mit den rasant wachsenden Nutzerzahlen stiegen nicht nur das kommerzielle Interesse, sondern auch die Kriminalität und der Missbrauch. Schon bevor im Jahr 1989 das World Wide Web und wenige Jahre später die ersten Browser die Internetnutzung erheblich vereinfachten, kursierten längst die ersten Computerviren. Und je mehr Nutzer in den kommenden Jahren online gingen – 2002 sind es bereits 500 Millionen –, desto mehr Viren, Würmer, Hackerangriffe und Datenmissbrauch gab es.
„Die Schattenseiten des Internets sind uns heute natürlich viel stärker bewusst“, erklärt Grunwald vom TAB. Gefahren­potenzial liege in Zukunft zum Beispiel in den Machtpositionen der Tech-Giganten wie Google®, Facebook® oder Amazon®, die auf Massen von Nutzerdaten sitzen: „Wir sind darauf angewiesen, zu hoffen, dass diese Konzerne ihrer Verantwortung um die Datensicherheit gerecht werden. Hier wurden wir aber bereits in der Vergangenheit enttäuscht. Wichtig sind nationale, aber auch europäische Lösungen.“ Auch die Verlagerung ganzer Branchen ins Digitale berge Gefahren, so Grunwald: „Schon jetzt gibt es gezielte Angriffsversuche auf wichtige Einrichtungen und Versorgungsnetzwerke. Man mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn die Energieversorgung irgendwann etwa durch einen Hacker-Angriff zum Erliegen kommt.“
Die Gefahren des Internets dürften laut Grunwald allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, welche Vorteile die Menschen durch das Internet haben, die mittlerweile selbstverständlich für sie sind: „Das Internet ist der Traum einer grenzenlosen Freiheit. Menschen auf der ganzen Welt sind mit­einander verbunden und haben Zugang zu Wissen und Bildung. Die Welt wird noch weiter zusammenwachsen.“ Tatsächlich werden laut Prognosen unterschiedlicher Quellen für das Jahr 2021 über 100 Millionen weitere Menschen Zugang zum Internet haben. Immer günstigere Technologie und die voranschreitende Verbreitung der Netze verstärken diesen Trend in naher Zukunft. Grunwald: „Dieser Traum von der Welt als ein globales Dorf ist nicht mehr bloß eine Utopie. Nun liegt es an uns, ob und wie wir diesen Traum weiter realisieren.“

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Internet ein Menschenrecht? Über die Hälfte der Menschheit nutzt das Internet – Tendenz: steigend. Der Lebensstandard vieler Länder und Regionen hängt maßgeblich davon ab. „Der Internetzugang ist kein Luxus, sondern ein moralisches Menschenrecht. Jeder sollte unkontrollierten und unzensierten Zugang zu diesem globalen Medium haben“, sagt Dr. Merten Reglitz, Philosoph und Ethiker an der University of Birmingham in einer aktuellen Studie dazu. Sein Team hat untersucht, ob ein Internetzugang eine essenzielle Notwendigkeit für die Menschheit darstellt. Laut Reglitz sei dieser auch eine Voraussetzung, um andere Menschenrechte – vor allem jene auf Meinungs-, Informations- und Versammlungsfreiheit – wahren zu können.