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Bildhinweis: © iStock

Speicher, die Geschichte erzählen

Beyond Science

Hamburg im Norden Deutschlands ist nicht nur bekannt für Reeperbahn, Hafen und den Prachtboulevard Jungfernstieg, sondern auch für die denkmalgeschützte Speicherstadt aus dem 19. Jahrhundert.

Rot schimmernde Backsteinhäuser mit Türmchen, Erkern und grünen Kupferhauben drängeln sich dicht an dicht. Sie erheben sich auf Tausenden Eichenpfählen inmitten des Hamburger Hafen, und wer zwischen ihnen durch kopfsteingepflasterte Gassen spaziert, nimmt den Geruch von geröstetem Kaffee und salzigem Elbwasser wahr. Über dem Kopf kreischen Möwen und erzählen vom nahen Meer. Willkommen in Hamburgs Speicherstadt, dem größten Lagerhauskomplex der Welt! Besucher erwarten zwei Schlösschen in wilhelminischer Pracht, mehrere Ausstellungen sowie Restaurants und Cafés, die sich auf den knarrenden Böden alter Speicher eingerichtet haben.

Die Speicherstadt entstand, nachdem die Hansestadt Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Freihandelsstatus verloren hatte und dem Deutschen Zollverein beigetreten war. Weil die Hamburger Tabak, Kaffee, Kakao und Gewürze trotzdem weiterhin zollfrei im Freihafen lagern wollten, errichteten sie himmelhohe Speicher auf zwei Elbinseln. Ungefähr 20.000 Menschen mussten für dieses Projekt umgesiedelt werden. Doch danach galt Hamburg endgültig als Deutschlands „Tor zur Welt“. Seit 1991 steht die Speicherstadt unter Denkmalschutz, 2015 erklärte die UNESCO® sie, zusammen mit dem benachbarten Kontorhausviertel, zum Weltkulturerbe.


Schlösser in der Speicherstadt


Gleich zwei Schlösser befinden sich hier. Das märchenhafte Wasserschlösschen mit dem zierlichen Uhrenturm erhebt sich an der Stelle, an der Wandrahmsfleet und Holländischbrookfleet zusammenfließen. Das Gebäude wurde 1899 im Stil des Backsteinexpressionismus errichtet, und in ihm residierte nicht etwa ein Prinzenpaar, wie man angesichts der Pracht vielleicht vermutet. Die sogenannten Windenwächter lebten hier, die für die Wartung der hydraulischen Speicherwinden zuständig waren. Eine grün lackierte Tür mit Sprossenfenstern führt ins Innere des Gebäudes. Besucher finden sich in einem nostalgischen Laden mit knarrenden Dielen und meterhohen Regalen wieder. Hier, im Teekontor, wird Tee aus aller Welt verkauft. Mehr als 250 Sorten sind im Angebot, und entsprechend duftet es in zahlreichen Geschmacksrichtungen: Karamell, Rooibos, Bergamotte. Die Verkäufer verraten gerne, welche Mischungen sich in den hübschen Tüten mit wohlklingenden Namen befinden. „Elbufer“ zum Beispiel schmeckt nach Pfefferminze, Brombeere, Rosenblüten, Zitrone und Himbeere.

Wer noch nicht genug von kleinen Schlössern hat, begibt sich ein paar Meter weiter zum Fleetschlösschen an der Kreuzung von Brooktorkai und Sankt-Annen-Brücke. Zwischen all den mächtigen Speichern ringsumher und direkt an einer Fußgängerampel gelegen, wirkt das Häuschen mit Spitzdach und gotischen Fenstern wie ein Spielzeug, das ein Kind vergessen hat. Im Inneren des Gebäudes, in dem früher der Zoll seinen Amtssitz hatte, ist ein Café ansässig. Und auch davor kann man gut einen Moment lang verweilen, den Blick auf die Wasserstraße genießen und sich wie die Hausprinzessin oder der Hausprinz fühlen.


Geschichte mit Gruselfaktor


Lange Menschenschlangen haben sich vor dem sogenannten Kulturspeicher am Kehrwieder gebildet und bestätigen die Statistiken der Besucherzahlen: Denen zufolge gehören das Gruselkabinett „Dungeon“ und das „Miniatur Wunderland®“ zu den Hauptattraktionen der Speicherstadt. Das „Dungeon“ stellt die Geschichte der Hansestadt mithilfe von Schauspielern dar. Besucher erleben den „Großen Brand“ von 1842, die Hinrichtung des Piraten Störtebeker auf dem Grasbrook im Jahr 1401 oder die Zeit der Pest. Das „Miniatur Wunderland“ hingegen beherbergt die größte digital gesteuerte Modelleisenbahn der Welt. Es gibt 15,2 Kilometer Gleise, 260.000 Figuren, 130.000 Bäume und 1.380 Signale – und sogar 900 Pärchen, die verliebt in der Hansestadt schmusen.


Glitzernd schöne Elbphilharmonie


In unmittelbarer Nähe zur wilhelminischen Pracht der Backsteingotik befindet sich mit der Elbphilharmonie das Herz der HafenCity, des neuen Quartiers zwischen Speicherstadt, Elbe und Mönckebergstraße. Die „Elphi“, so ihr Kosename, gilt als neues Wahrzeichen Hamburgs und türmt sich als gläserne Welle auf einem alten Speicher auf, in dem bis in die 1960er-Jahre Kakao, Kaffee und Tee gelagert wurde. In den Abendstunden glitzert sie wie ein Kristall vor einem rosafarbenen Himmel; auch die Stars, die hier auftreten, sind begeistert. „Hinreißend!“, schwärmt die Sopranistin Cecilia Bartoli, die in dem wie ein Weinberg aufgebauten Konzertsaal Rossini und Vivaldi gesungen hat. „Ich werde hoffentlich noch sehr oft nach Hamburg kommen!“

Besonders schön und auch ohne ein Konzertticket erreichbar ist die Aussichtsplattform „Plaza“ an der Nahtstelle zwischen Backsteinspeicher und gläsernem Neubau. Sie führt einmal im Freien um das Gebäude herum, und der Blick von ihr auf den Glockenturm der Sankt-Michaelis-Kirche und die emsigen Kräne im Hamburger Hafen ist unbezahlbar und gratis. Genau wie die Fahrt dorthin. Sie verläuft durch eine mit Glaspailletten ausgekleidete Röhre auf der einzigen gewölbten Rolltreppe der Welt. Anschließend lassen sich das Konzerthaus und der Blick auf Hamburg vom Wasser aus bewundern. Dafür einfach am Anleger Elbphilharmonie auf die Fähre 72 Richtung Landungsbrücken steigen. Ahoi!

los geht’s! Typisch Speicherstadt: Köstliches und Kostbares.