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Beyond Science

Vor einigen Monaten erhielt ein befreundeter Doktorand eine unglaubliche Chance, seine Karriere zu förden.

Seine Arbeit an einer Studentenkampagne zur Erhöhung staatlicher Zuschüsse für die Grundlagenforschung führte zu einer Einladung, einen Vortrag in einem Konferenz-Gremium zum Thema „Fürsprache für Gesundheitsforschung“ zu halten. Er hatte somit ein sichtbares Podium, um seine Arbeit vor einem breiten Publikum darzustellen, und er würde auf dem Gebiet führende Persönlichkeiten kennenlernen. In seinem Lebenslauf würde dies gut aussehen. Natürlich habe ich mich für ihn gefreut – er hat es verdient. Gleichzeitig hatte ich gemischte Gefühle. Bei der Kampagne war ich eine ebenbürtige Partnerin, und ich verdiente die gleichen Chancen. Trotz alledem war ich nicht eingeladen worden, und ich wusste nicht, warum.
Bis vor Kurzem hätte ich nichts dagegen unternommen. Ich bin so erzogen worden, hart zu arbeiten und nicht aufzumucken. Gute Arbeit spreche für sich selbst und würde belohnt werden. Dies, gemeinsam mit meiner Schüchternheit, bedeutete, dass ich mich selten in den Vordergrund stellte.

Dann kam letztes Jahr. Meine Langzeitbeziehung ging in die Brüche; um meine Gesundheit stand es nicht gut, und ich hatte Zweifel an den Zielen meiner Karrie­re. Als sich der Sturm gelegt hatte, war mir klar geworden, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen musste – und meine eigene Fürsprecherin werde.
Mit Herzklopfen bat ich meinen Kollegen, die Organisatoren darum zu bitten, mich mit einzubeziehen. Gleichzeitig füllte sich mein Kopf mit vorhersehbarem Selbstzweifel. Vielleicht verdiente ich es nicht. Vielleicht war ich zu ehrgeizig. Aber mein Kollege kontaktierte die Organisatoren sofort, und ich wurde umgehend in das Gremium aufgenommen.Mir wurde klar, dass meine Arbeit keine Anerkennung bekommen würde, wenn ich unsichtbar blieb. Die Idee ist nicht neu, aber als introvertierter Mensch ist dies mein persönlicher Everest. Die beste Lektion war es, einfach um das zu bitten, was man möchte: für eine Auszeichnung nominiert zu werden; einen Gastvortrag halten zu dürfen; ein Empfehlungsschreiben von jemandem außerhalb ihrer Reichweite. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein „Nein“. Meine Erfahrung bestätigt jedoch, dass die meisten Menschen gern bereit sind, zu helfen.
Ebenfalls fällt es mir mit der Zeit leichter, meine Errungenschaften ins Rampenlicht zu stellen. Vor ein paar Jahren erklärte sich ein Mentor bereit, mir eine Empfehlung zu schreiben, bat mich jedoch um einen Erstentwurf als Startpunkt. Ich zerbrach mir den Kopf. Etwas Nettes über mich selbst zu schreiben war einfach unnatürlich. Mit jedem schmeichelhaften Satz, den ich zu Papier brachte, stieg die Angst, dass mein Mentor meinen Mangel an Bescheidenheit missbilligen könnte. Ich habe nie eine Rückmeldung dazu bekommen, also bin ich mir nicht sicher, was mein Mentor davon hielt.
Trotzdem habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Ich kann nicht kontrollieren, was andere Menschen denken, daher kann ich meine Leistungen so gut wie möglich an die Öffentlichkeit bringen. Heutzutage biete ich an, einen Erstentwurf zu verfassen, wenn ich um eine Empfehlung bitte. Ich weiß selbst am besten, wie ich meine Fähigkeiten für eine bestimmte Bewerbung darstellen kann, und es schadet nicht, es anzubieten.Ebenso beziehe ich soziale Medien ein, um meine Errungenschaften mit einem breiteren Publikum zu teilen. Zunächst habe ich gezögert – aus Angst, ich könne die Grenze zwischen Eigenwerbung und Angeberei überschreiten. Als ich mich selbst fragte, ob es mich abstößt, wenn andere Wissenschaftler ihre Publikationen, Auszeichnungen, Leistungen und Projekte teilen, war die Antwort ein klares Nein. Im Gegenteil, ihre Selbstdarstellung hat mir dabei geholfen, faszinierende Werke zu entdecken und neue professionelle Verbindungen zu knüpfen. Letztes Jahr zum Beispiel war ich begeistert von zwei jungen Wissenschaftlerinnen, die ihren neuen Podcast auf Twitter vorstellten. Ich habe ihren Beitrag kommentiert und „Wissenschaftspolitik“ als Thema einer Folge vorgeschlagen. Und siehe da: Sie haben mich interviewt! Diese einzigartige Gelegenheit wäre ohne ein wenig Online-Selbstdarstellung auf beiden Seiten nie zustande gekommen.
Ich glaube, für mich selbst einzustehen wird mir immer etwas schwerfallen. Aber ich mache ja auch vieles andere, das unbequem ist: sich gegen Grippe impfen zu lassen und (urg!) ins Fitnessstudio zu gehen. Ich denke, meine Karriere hat’s verdient.

Vanessa Sung ist Doktorandin an der McGill University in Montreal, Kanada, und Co-Präsidentin der Wissenschafts- und Politikbörse
Die QuelleDieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Science“ vervielfältigt, in der dieser Beitrag erstmals am 27. Juli 2018 in der Rubrik „Arbeitsleben“ veröffentlicht wurde.
Diese Übersetzung ist keine offizielle durch die „American Association for the Advancement of Science (AAAS)“-Mitarbeiter und wird von AAAS auch nicht als Original anerkannt. In entscheidenden Fällen verweisen wir auf die offizielle englischsprachige Version, die ursprünglich von der AAAS veröffentlicht wurde.