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Forschen und gründen

Beyond Science

Überall auf der Welt tüfteln Doktoranden an innovativen Technologien. Perfekte Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung.

Ein biologisch abbaubarer Klebstoff, der das Potenzial hat, lebensgefährliche Blutungen bei Opera­tionen zu stoppen? Als Marius Rosenberg bei seinem Doktorvater von dieser Erfindung zweier Chemiker aus dem Umfeld der Universität erzählte, war der ehemalige Rettungssanitäter sofort begeistert. „Eine geniale Idee! Für uns stand fest, dass wir daraus etwas machen wollen“, erinnert sich Marius Rosenberg, der damals am Gründerzentrum der RWTH Aachen junge Start-up-Unternehmer coachte und parallel an einer B2B-Handelsplattform für Werkstoffe tüftelte. „Also schrieben die beiden Wissenschaftler, mein Doktorvater und ich einen Businessplan, gründeten mithilfe von Privatinvestoren eine Firma und entwickelten den Klebstoff weiter.“

In Deutschland und England promovieren pro Jahr ungefähr 25.000 Studierende, in Amerika sind es etwa doppelt so viele. Die Doktoranden schreiben Themen mit viel kreativem Potenzial, die zukunftweisende Produkte und innovative Geschäftsmodelle verheißen. Doch insbesondere in Europa verlassen wissenschaftliche Erkenntnisse nur selten den Elfenbeinturm der Universität. „Leider“, sagt Jürgen Mlynek, ehemaliger Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. „Denn dadurch geht eine wertvolle Ressource verloren.“


Unternehmergeist wecken


Um den Gründergeist der Promovenden zu wecken, entstehen an vielen Universitäten in Deutschland, Schweden, Frankreich oder Großbritannien Gründerzentren, die die Studierenden auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Das KTH Royal Institute of Technology in Stockholm bietet inzwischen sogar einen Masterstudiengang in Entrepreneurship und Innovationsmanagement an, und in Estland beteiligt sich die Estonian Entrepreneurship University of Applied Sciences an einem universitätsübergreifenden Ausbildungsprogramm für unternehmerische Initiative.

In Berlin hat Jürgen Mlynek „Young Entrepreneurs in Science“ ins Leben gerufen, ein Workshop-Format für Studierende aller Fachrichtungen. „Was wäre, wenn ich von meiner Dissertation leben müsste? Wie viel Start-up steckt in meiner Promotion? Mit diesen Fragen sollen Sich die Akademiker vier Tage lang beschäftigen, und dabei werden sie von erfolgreichen Gründern gecoacht“, berichtet der Physiker. „Unter den Studierenden sind Juristen, Agrarwissenschaftler, Informatiker, Betriebswirte und Mediziner. Das Projekt startete 2017 und ist inzwischen an über 30 Standorten aktiv. Ich bin gespannt auf die erste Gründung, die aus unseren Workshops erwächst.“ Was Jürgen Mlynek mit seiner Plattform für Science-Start-ups vorschwebt, ist nichts Geringeres, als einen Kulturwandel in Deutschland anzustoßen – hin zu mehr Entscheidungsfreude und Lust auf Unternehmertum unter jungen Wissenschaftlern.


Vorbild Silicon Valley


Ansporn hierfür kann der Blick in die USA sein. Das kalifornische Silicon Valley im südlichen Teil der San Francisco Bay Area gilt als Mekka der Start-up-Szene. Mit den US-Eliteuniversitäten Stanford und Berkeley besteht ein reger Austausch. Marius Rosenberg, der mit seinem Unternehmen in die Staaten expandierte, nachdem er auf dem weltweit größten Businessplan-Wettbewerb in Texas eine halbe Million Dollar gewonnen hatte, ist regelmäßig dort. „Wenn man über den Campus in Stanford schlendert und den Studierenden zuhört, stellt man fest, dass jeder Erstsemestler ein Unternehmen gründen möchte. Das heißt, das Thema Science-Start-up ist dort von Anfang präsent. Und entsprechend präsentieren sich die Infrastrukturen an den Universitäten mit Patentverwertung, Rechtsabteilung und Finanzierungsberatung unter einem Dach. Da müssen wir langfristig in Europa auch hinkommen.“ Denn während der Promotion zu gründen ist immer eine gute Idee, davon ist Marius Rosenberg überzeugt: „Bei der Promotion verfügt man über einen unkomplizierten Zugang zu Technik und Forschung, über ein Netzwerk an Wissenschaftlern. Und die meisten müssen während der Doktorarbeit weder eine Familie versorgen noch ein Haus abbezahlen. Perfekte Voraus­setzung für den Sprung in das kalte Wasser eines Start-ups.“

DIE HINTERGRÜNDE:

„Young Entrepreneurs in Science“ ist eine Initiative der gemeinnützigen Falling Walls Foundation mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie privater Unternehmen. Die Falling Walls Foundation schlägt mit ihren Programmen und Formaten Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In namentlicher Anlehnung an den Fall der Berliner Mauer 1989 widmen sich die Veranstaltungen und Formate aktuellen wissenschaftlichen Durchbrüchen und zeigen, welche Mauern in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft als Nächstes zu Fall kommen werden. So stellen bei der globalen Plattform Falling Walls Venture Start-up-Unternehmer aus aller Welt wissenschaftliche Ideen vor, die das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Marius Rosenberg gewann Falling Walls Venture 2015 mit seiner Firma Adhesys Medical.

www.falling-walls.com/venture

www.young-entrepreneurs-in-science.de