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Wissenschaft im Ohr

Beyond Science

Ob Comedy, Kultur oder Personalityshow – viele überwiegend junge Hörer lieben Podcasts. Taugen sie auch für die Wissenschaftskommunikation? Benjamin Thompson von „Nature Podcast“ sagt: Ja!

Benjamin Thompson ist ein neugieriger Geist. Der promovierte Mikrobiologe ist seit 2017 Host des „Nature Podcast“, der zum Wissenschaftsverlag „Nature Research“ gehört. „Ich liebe zwei Dinge“, erzählt der 40-jährige Thompson, „die neuesten Themen der Wissenschaft zu erfahren und Geschichten zu erzählen.“ Im Kern beschreibt er damit, was im „Nature Podcast“ zusammenfließt. Doch was unterscheidet das Audioformat von den zahlreichen Journalen und Magazinen, die „Nature Research“ herausgibt? Also von den digitalen und physischen Publikationen, die man Zeile für Zeile lesen muss? Die Antwort führt – streng wissenschaftlich – zunächst zur Definition.


Abonnierbare Dateien


Podcasts sind in der Mediengeschichte noch relativ jung. Obwohl man mit dem Begriff allgemein eher Audioformate assoziiert, können Podcasts auch Videos sein. Denn per Definition handelt es sich um abonnierbare Mediendateien, die man über einen Web-Feed automatisch beziehen kann. Die Speicherung und Verbreitung von Podcasts ist also internetbasiert und unterscheidet sich darin vom klassischen analogen Radio. Der Name „Podcast“, so lautet eine weitverbreitete Erklärung, setzt sich zusammen aus dem englischen „to broadcast“ („senden“) und dem hinteren Teil der Markenbezeichnung „iPod“. Dieser tragbare MP3-Player von Apple galt zur Entstehungszeit von Podcasts Anfang der 2000er-Jahre als gängiges Tool, um selbige zu hören. Eine andere Definition von „Pod“, nämlich das Akronym von „play on demand“ („nach Bedarf hören“), passt ebenfalls ins Bild. Hat man sie abonniert, sind Podcasts jederzeit und überall mit einem geeigneten Gerät wie dem Smartphone oder Tablet hörbar.Benjamin Thompson, selbst leidenschaftlicher Podcast-Hörer, sieht genau darin einen großen Vorteil des Mediums: „Viele Menschen machen sich einen Podcast an, wenn sie unterwegs sind oder Sport machen.“ Sie füllen also „tote Zeit“ oder Routinen mit Unterhaltung oder Wissen. Letzteres liefert der „Nature Podcast“ einmal in der Woche. Die reguläre Sendung beleuchtet die spannendsten Neuigkeiten aus der Wissenschaft. „Unser Produktionsprozess beginnt immer mittwochs“, erzählt der Reporter, „dann sitzen wir in unserer Redaktionskonferenz und besprechen, welche zwei bis drei Themen aus den aktuellen ,Nature‘-Publikationen wir in die Show bringen.“


Wissen destillieren


Die ständige Herausforderung: Wie destilliert man ein mehrseitiges wissenschaftlich formuliertes
Paper in eine sechs- bis siebenminütige spannende Geschichte zum Hören? Thompson richtet sich nach seinem Instinkt: „Ich stelle die Fragen, auf die ich selbst gerne Antworten hätte.“ Jedes „News“-Thema beinhaltet Interviews mit Wissenschaftlern rund um den Globus. Um ihre O-Töne weben Thompson und seine Kollegen die Story. Mal geht es um das mathematische Dreikörperproblem, mal um die Genome von Schmetterlingen – der Themenradius ist so breit wie die Wissenschaft selbst. In der Regel stehen die Forscher gern zur Verfügung, um über ihre Erkenntnisse zu sprechen. Dazu nutzt das „Nature“-Team meist das Telefon. In der „Nature Research“-Dependance in London hat das Team ein kleines Studio – und die nötige Ruhe für Telefonate in ausreichender Tonqualität. „Nur die Zeitverschiebung bringt uns manchmal in Bedrängnis“, lacht der Show-Host.
Neben der „News“-Sendung gibt es weitere wiederkehrende Formate, etwa die monothematische Diskussionsrunde „Backchat“. Oder die „PastCasts“, die die besten Geschichten hinter den Geschichten aus dem „Nature“-Archiv erzählen. Insgesamt sind so seit dem Start 2005 über 600 Folgen zusammengekommen, eine breite Stammhörerschaft ist eta­bliert. Letzteres bildet die kleine Krux am Einsatz von Podcasts: Ihr Erfolg im Sinne von Reichweite ist schwer messbar. Download-Zahlen geben zum Beispiel nicht wieder, ob die Folgen wirklich komplett gehört werden. Bei „Nature Research“ ist der Podcast jedoch fixer Teil des gesamten Outputs und ergänzt die Magazinwelt. „Wir haben das Glück, dass wir uns ganz auf die Qualität guter Storys konzentrieren können“, erzählt Thompson.Obwohl er erst seit drei Jahren an Bord ist, ist er ein Podcaster durch und durch. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, der „Microbiology Society“, kümmerte er sich um den Podcast „Microbe Talk“ – eine sehr spezifische Thematik. Doch in der Praxis lernte er einen weiteren Vorteil des Mediums kennen und schätzen: Auf diese Weise könne man die Begeisterung der interviewten Wissenschaftler viel direkter wahrnehmen. „Es ist eine sehr persönliche Angelegenheit – man sendet den Hörern direkt ins Ohr.“

Podcast-Tipps von Benjamin Thompson

  • „Fragen Sie sich, wer Ihr Publikum sein soll. An wen möchten Sie sich mit Ihrem Podcast richten? Alle Ihre Geschichten sollten auf Ihre Hörerschaft zugeschnitten sein.“
  • „Es gibt bereits Podcasts zu allem. Finden Sie Ihre Nische! Machen Sie das zu Ihrem Thema, was Sie beherrschen, worin Sie sich auskennen und was Ihnen Freude bereitet.“
  • „Seien Sie realistisch. Es ist unwahrscheinlich, dass Sie eine Episode pro Tag produzieren können, also versuchen Sie es einmal pro Woche oder einmal im Monat, für den Anfang.“