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Such-Empfehlungen

Sagenhafte Seen

Beyond Science

Sie haben ein faszinierendes Geheimnis und sind der Mittelpunkt von Mythen und Gedichten: Seen, die ob ihrer spannenden Entstehung oder aufgrund wissenschaftlicher Phänomene weltweit einzigartig sind. Ein spannendes Feld, in dem Forscher immer wieder Neues entdecken – oder an ihre Grenzen stoßen.

Friedvolle Ruhe

Nelson Lakes National Park, Neuseeland
Still ruht das kristallklare Wasser des Blue Lake. Nur das Blau des Himmels und die Silhouetten der Bäume in Ufernähe spiegeln sich auf der Oberfläche. Keine Schiffe oder Badetouristen stören die Ruhe – denn Schwimmen ist hier strengstens verboten. Der Blue Lake ist ein Heiligtum der Maori. Für die Ureinwohner Neuseelands ist er das Tor zum Jenseits. „Rangimairewhenua“ nennen sie den See. Übersetzen lässt sich der Name mit „See der friedvollen Lande“. Wer am Ufer des Sees steht, wird verstehen, wieso: Die Klarheit ist überwältigend! Sie entspricht destilliertem, reinem Wasser. Möglich macht das die Quelle: Der See wird unterirdisch durch den Lake Constance gespeist. Da dieser über der Baumgrenze liegt, ist das Wasser nicht durch Laub getrübt. Auf dem Weg in den Blue Lake wird das Wasser zusätzlich durch zahlreiche Gesteinsschichten gefiltert. Das macht ihn zum klarsten Süßwassersee der Welt.

Vulkanischer Kessel

Morne Trois Pitons National Park, Dominica
Gesteinsbrocken erschweren den Aufstieg, wirbelnde Dampfwolken behindern die Sicht: Wer durch die „Valley of Desolation“ (Tal der Trostlosigkeit) wandert, hat das Gefühl, auf einen anderen Planeten katapultiert worden zu sein. Der schwere Schwefelgeruch verrät, dass der Trail geradewegs durch vulkanisches Gebiet führt, das den zweitgrößten kochenden See weltweit beherbergt: Der „Boiling Lake“ ist eine überflutete Fumarole – ein Loch in der Erdkruste, aus dem vulkanisches Gas austritt. Das wild sprudelnde, graublaue Wasser zeigt, wie aktiv der darunterliegende Vulkan ist. Erhitzt wird der kochende Kessel durch geschmolzenes Magma unter der Oberfläche. Wissenschaftler maßen 82 bis 97 Grad Celsius in Ufernähe. Die Temperatur im Zentrum, wo das Wasser kocht und der See durch einen unterirdischen Auftrieb gespeist wird, konnte bis heute nicht bestimmt werden.

Versunkener Wald

Tian-Shan-Gebirge, Kasachstan
Wie riesige, aufrechte Zinnsoldaten stehen sie in der Mitte des Bergsees: Die abgestorbenen Fichtenstämme ragen aus dem türkisblauen Wasser und prägen den „Versunkenen Wald“, der auf etwa 1.870 Metern über dem Meeresspiegel im Kolsai-Seen-Nationalpark ruht. Der kasachische Name „Qajyngdy köli“ bedeutet übersetzt „voller Birken“, obwohl es eigentlich Tienschan-Fichten sind, die aus dem Wasser herausstehen. Der Kaindysee entstand 1911 infolge eines Erdrutsches: Die Erd- und Gesteinsmassen versperrten einen Wasserfall und formten so einen Damm, in dem sich Regenwasser sammelte. Das kühle Klima der Gebirgskette, die an der Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan verläuft, sorgt dafür, dass selbst über hundert Jahre später die Stämme kerzengerade stehen. Und die Temperatur des Gewässers erreicht auch im Sommer nicht mehr als sechs Grad Celsius, was die Fichten hervorragend konserviert.

Unergründliche Tiefen

Baden-Württemberg, Deutschland
„Zuunterst auf dem Grund des Blautopfs saß ehemals eine Wasserfrau mit langen fließenden Haaren“, dichtete Eduard Mörike. Wie ein riesiges Fass mit blauer Tinte liegt der Blautopf auf der schwäbischen Alb in der Nähe von Ulm. Heute weiß man, dass gelöste Kalkpartikel im Wasser das Licht brechen und unterschiedlich stark reflektieren. Doch auf dem Grund der Karst-Quelle verbarg sich lange ein Geheimnis: In rund 20 Metern Tiefe entdeckten Taucher, darunter Jochen Hasenmayer, in den 1980er-Jahren einen 1,40 Meter breiten Gang, über den man in ein gigantisches Höhlensystem gelangt. Sie tauften die Höhle, wie könnte es anders sein, „Mörikedom“. Das Ausmaß der Blautopfhöhle ist bis heute nicht gänzlich erforscht. Nach aktuellem Stand schätzt man die Gesamtlänge auf 14.600 Meter. Wer weiß – vielleicht versteckt sich dort ja Mörikes Wassernixe?