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Was werden wir essen?

Beyond Science

Der Schlüssel zu künftiger Nahrungssicherheit liegt in pflanzlicher Ernährung. Sogar, um unseren Hunger nach Fleisch zu stillen.

Prognosen der Vereinten Nationen zufolge könnte die Weltbevölkerung Mitte des Jahrhunderts die Zehn-Milliarden-Marke durchbrechen. Damit alle satt werden, brauchen wir mehr Nahrungsmittel. Allerdings ist die Nahrungsproduktion dem jüngsten Bericht des Weltklimarates IPCC zufolge schon heute die größte Ursache für die Zerstörung von Ökosystemen und den Klimawandel. Sie verbraucht 40 Prozent der Landfläche, 70 Prozent des weltweiten Süßwassers und ist für 30 Prozent des Treibhauseffekts verantwortlich. Hinzu kommen Umweltauswirkungen wie der Verlust der Biodiversität oder die Verschmutzung von Wasser, Luft und Boden. „Die Ernährung der Weltbevölkerung muss sich drastisch ändern“, so Walter Willett von der Harvard Universität (USA), Vorsitzender der EAT-Lancet Kommission für Ernährung, den Planeten und Gesundheit.

Sattmacher der Zukunft
Seine aus 37 internationalen Experten bestehenden Kommission stellte 2019 die sogenannte Planetary Health Diet vor. Darin geht es darum, die natürlichen Grenzen des Planeten Erde zu berücksichtigen und gleichzeitig Krankheiten, die durch falsche Ernährung wahrscheinlicher werden, vorzubeugen – Herzinfarkten und Diabetes etwa. Vorrangig aber geht es darum, den Fleischkonsum zu drosseln.
„Insbesondere in den Industrienationen werden Wege gesucht, die den Konsum von tierischen Lebensmitteln einschränken“, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Dazu kommt: Immer mehr Menschen wollen die industrielle Massentierhaltung nicht mehr akzeptieren und setzen auf pflanzliche Ernährung.
Wer dabei klassisch an Weizen und Kartoffeln denkt, sollte einen Blick über den Tellerrand wagen. Vormals als „Waisenpflanzen“ bezeichnete Gewächse erleben Hochkonjunktur. Die sogenannten „Orphan Crops“ sind Nutzpflanzen, die sich durch einen hohen Nährwert auszeichnen. Einige werden bereits als sogenanntes „Superfood“ bezeichnet: besonders gesunde, vitamin- und nährstoffreiche Früchte, Knollen oder Getreidesorten. Süßkartoffeln und Quinoa sind mittlerweile zu festen Bestandteilen unserer Speisepläne geworden. Andere Pflanzen wie Hirse, Maniok, Enset, Tef und Yams, die in manchen Regionen der Welt zur Grundernährung beitragen, wurden bisher auf dem Weltmarkt kaum gehandelt. „Eine weltweite Pauschallösung gibt es dabei nicht“, weiß Expertin Gahl. In Nordeuropa gelten Erbsen und Lupinen als Hoffnungsträger. Gentechnisch manipuliertes Soja, wie es in den USA angebaut wird, wird kritisch gesehen.
Leichter tun sich die meisten Europäer mit dem sogenannten Genome Editing. Die Technik ermöglicht zielgerichtete Veränderungen am Erbgut. Nahrungspflanzen können beispielsweise resistenter gegen Stress und Schädlinge gemacht werden. Der Ernteertrag und auch der Gehalt an Nährstoffen oder Vitaminen werden erhöht. Anders als bei der klassischen Gentechnik sind keine aufwendigen Sicherheitsstudien und langwierigen und kostspieligen Zulassungsverfahren vorgeschrieben.

Die Fleischwende
Und wenn der Appetit auf Fleisch doch zu groß ist? „Wir stehen vor nichts weniger als dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen“, prophezeit Dr. Carsten Gerhardt, Partner und Landwirtschaftsexperte bei der Unternehmensberatung Kearney. „Bereits 2040 werden nur 40 Prozent der konsumierten Fleischprodukte von Tieren stammen“, so seine Prognose.
Fleischersatzprodukte aus pflanzlichen Zutaten liegen im Trend. Seine fleischige Konsistenz verdankt das „Vleisch“ dem Verdickungsmittel Methylcellulose, das aus pflanzlichen Zellwänden gewonnen wird. Für den Fleischgeschmack sorgt pflanzliches Häm, das aus der Wurzelknolle der Sojapflanze kommt und dem eisenhaltigen Protein Hämoglobin ähnelt. Rote-Beete- oder Karottensaft bringen häufig die richtige Farbe.
Ist das gesünder? „Vom Nährstoffgehalt stehen Fleischersatzprodukte den Fleischprodukten in nichts nach. Nachteilig ist, dass einige der Rohstoffe von weither transportiert werden und es sich zudem um hochverarbeitete Produkte handelt mit einer Reihe von Zusatzstoffen und Aromen“, erklärt Dr. Claudia Müller vom Landeszentrum für Ernährung an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum in Schwäbisch-Gmünd.
Wer den pflanzlichen Ersatzprodukten nicht traut, kann auf Clean Meat hoffen. So wird mithilfe von Stammzellenkulturen im Reagenzglas gezüchtetes Fleisch bezeichnet. Ende 2018 stellte ein israelisches Food-Tech-Start-up das erste im Labor gezüchtete Steak nur aus pflanzlichen Bestandteilen vor. Heute kann das Unternehmen innerhalb von drei bis vier Wochen in großen Tankanlagen aus Stammzellen ein vollwertiges Steak züchten – wo auch immer es gebraucht wird. Ende September 2018 druckten russische Kosmonauten auf der Raumstation ISS tatsächlich ein Steak aus dem 3-D-Drucker aus. Verzehrt wurde es allerdings nicht. Die Proben wurden zur Untersuchung zurück auf die Erde gebracht.