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Sie machen Wissenschaft verständlich: Forscher, die bloggen und in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Dabei ist die digitale Wissenschaftskommunikation keine Nebentätigkeit mehr. Wer wahrgenommen werden möchte, ist auf Twitter und Co. angewiesen.

"Listen to the scientists“, predigt die „Fridays for Future“-Bewegung seit Jahren. Auch in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass sich die breite Öffentlichkeit eine klare Haltung und Aufklärung durch Wissenschaftler wünscht. Inzwischen prominente Vertreter aus der Wissenschaft, wie der Virologe Christian Drosten und die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, stehen für einen neuen Trend in der Wissenschaft: sie verständlich zu machen für das Laienpublikum.

So auch Stina Börchers. Die Neurowissenschaftlerin promoviert an der Universität Göteborg in Schweden und erforscht dort die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn und deren Auswirkungen auf Emotionen und Essverhalten. Seit 2016 lässt die 26-Jährige ihre mehr als 10.000 Follower auf Instagram an ihrer Arbeit teilhaben. Mit ihrem Profil trägt sie dazu bei, die Wissenschaft für andere Menschen zugänglich zu machen, die für sie zu Beginn ihres Studiums „ein undurchschaubarer Dschungel“ war. „Ich bekomme oft Nachrichten von Schülern, die sich durch meinen Account inspiriert fühlen, in die Wissenschaft zu gehen – darüber freue ich mich besonders“, erzählt die PhD-Studentin.

Forscher bei Social Media
„Lange Zeit hat man das Feld Social Media der Gegenseite, den Verschwörungsmystikern und Skeptikern, überlassen“, urteilt Beatrice Lugger. Sie ist Geschäftsführerin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation (NaWik) in Karlsruhe und lehrt dort unter anderem den Umgang mit den sozialen Medien. „Deswegen ist es umso wichtiger, in diesen Medien eine beständige Gegenstimme zu erheben.“ Forscher auf Social Media fungieren gewissermaßen als Gatekeeper zwischen den Medien und der breiten Öffentlichkeit.Besonders junge Wissenschaftler, selbst Digital Natives, seien interessiert, mit einem Laienpublikum digital in den Dialog zu treten, so die Vermutung. 2018 befragten Carsten Könneker, Philipp Niemann und Christoph Böhmert hochkarätige Nachwuchsforscher aus 89 Ländern nach ihrer Haltung zur Wissenschaftskommunikation. Während der Großteil sich grundsätzlich offen gegenüber einem Austausch jenseits ihrer Fachcommunitys aussprach, nutzten sie doch eher traditionelle Formate. Vorträge und Institutionsführungen schlagen noch immer die sozialen Medien. Die meisten Befragten teilten aber die Meinung, Wissenschaftskommunikation mache Spaß. Wieso engagieren sich also nicht mehr junge Wissenschaftler online?

Neue Zielgruppen erreichen
„Insgesamt ist es so, dass es kaum eine Verankerung von Kommunikationskompetenzen in den Curricula der Studiengänge gibt“, nennt Beatrice Lugger vom NaWik das Grundproblem. „Wir brauchen hier mehr Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, spätestens in der Promotionsphase.“ Dabei eröffnen die sozialen Medien völlig neue Möglichkeiten für Wissenschaftler, Aufmerksamkeit zu generieren. Digitale Medien, vor allem Social Media, ermöglichen der Wissenschaft, eine Zielgruppe zu erreichen, die ihren Inhalten ansonsten verschlossen geblieben wären. Zum ersten Mal ist es möglich, Forschungsarbeit transparent zu machen. So steigt das Verständnis für die Leistungen und auch deren Bedeutung.Stina Börchers nutzt die sozialen Medien außerdem zum Austausch mit Kollegen und zur Recherche. „Durch meine Aktivität in den sozialen Medien habe ich außerdem schon die Möglichkeit bekommen, an tollen Aktionen teilzunehmen, Vorträge zu halten, Gastbeiträge zu schreiben und in YouTube-Videos mitzuwirken“, erzählt die Wissenschaftlerin. Im digitalen Zeitalter läuft die Wirksamkeit nach dem „SEO“-Prinzip: der Suchmaschinenoptimierung. Wer sich selbst und seine Arbeit sichtbar machen möchte, ist auf die sozialen Netzwerke angewiesen. Akademische Auswahlgremien, Absolventen und auch Journalisten nutzen Google, Twitter und andere Dienste für ihre Recherchen.

Social-Media-Beiträge wirken!
Melissa Terras, Professorin am University College London, wagte 2012 ein Selbstexperiment. Terras hatte zuvor bereits begonnen, Twitter zu nutzen, um ihre Beiträge zu bewerben. Von der Wirkung war sie überrascht. Sie wollte genau wissen, wie sich die Bewerbung über Twitter auf die Downloadzahlen auswirkte. Von vier Artikeln teilte sie drei über die Plattform. Letztere erreichten zwischen 142 und 297 Downloads – der nicht getweetete 12, obwohl alle vier am selben Ort verfügbar waren. Eine Studie aus 2018 unter der Leitung von Clayton Lamb, University of Alberta, Kanada, bestätigte den Trend.Die Forschenden um Lamb deckten aber noch eine weitere Entwicklung auf. „Unsere Ergebnisse deuten auf eine sinkende Rendite hin: Es braucht jetzt mehr Anstrengungen, um eine äquivalente Zitierrate zu erzielen, als noch vor fünf oder zehn Jahren.“ Die Forschenden erklärten diesen Rückgang durch die erhöhte Zahl an Kommunikatoren online.„Twitter ist ein sehr schnelles Medium, bei dem man auch ohne große Hürden einfach mal mitmachen kann“, findet auch Beatrice Lugger. Doch wie sieht eine kluge Nutzung der sozialen Medien aus? Viele Forschungseinrichtungen und Universitäten haben mittlerweile eigene Guide-
lines, die auch die Kommunikation in den sozialen Medien betreffen. Eine Abstimmung mit der hauseignen Kommunikationsabteilung kann also helfen. „Als Erstes sollte man sich überlegen: Wen will ich eigentlich erreichen, und in welchem Medium finde ich diese Zielgruppe?“, rät die Direktorin des NaWik.Ob Twitter, Instagram oder YouTube: Die Plattformen haben ihre Eigenheiten. Letztendlich soll die Kommunikation über Social Media auch Spaß machen: Kommunikator und Plattform sollten ein „Match“ ergeben. „Und dann zählen: netzwerken, teilen, liken, Community aufbauen, eine stabile Frequenz, in der man postet, sowie ein richtig kluges Profil.“

3 TOP-PROFILE

  • Stina Börchers ist als Stina.biolo gista auf Instagram, Twitter und LinkedIn zu finden. Themen:
    Neurowissenschaften, Essverhalten, Emotionen.

  • RealScientists auf Twitter macht jede Woche die Bühne für einen Wissenschaftler frei. Themen aus allen wissenschaftlichen Bereichen.

  • Rhiannon Morris bloggt als Scientist_rhi auf Instagram und Twitter. Themen: Biochemie, Hämatologie, Krebsforschung.